Vor einem Jahrzehnt hat wohl kaum jemand geahnt, dass die Bedeutung klassischer Websites jemals wieder verblassen könnte. Doch die Entwicklung des Social Webs macht deutlich, dass alte Gewissheiten in der digitalen Neuzeit schnell beiseite gefegt werden können. Twitter, Facebook und Blogs ergänzen die herkömmliche eher statisch angelegte Website eines Unternehmens.

Im Jahr 2007 habe ich das Buch „Corporate Blogs“ im Orell Füssli Verlag veröffentlicht. Viele Blogger konnten anfangs nicht nachvollziehen, dass Unternehmen in ihr vermeintliches digitale Territorium eindringen und mitmachen. Das hat sich inzwischen geändert. Es wird weitgehend akzeptiert, dass auch Firmen auf diese neue Form des Corporate Publishings setzen. Längst sind die Zeiten vergangen, in denen Unternehmen eher auf Marketingtexte, Pressemitteilungen und halbgare Informationen gesetzt haben. Die Corporate Blogosphere ist erwachsen geworden und setzt immer mehr auf Qualität.

Heute muss ich in meinen Vorträgen zwar nicht mehr ganz so oft erläutern, was es mit dem Bloggen auf sich hat. Aber dennoch stößt das Thema noch immer auf viel Unkenntnis. Dabei hat das Corporate Blogging auch hierzulande seinen Durchbruch geschafft: Es  gibt beispielsweise Corporate Blogs von Tchibo, Frosta, Danone, Otto, BASF, Daimler, Deutsche Telekom, Stiegl, RUV und jetzt auch von Scout24.

In den Unternehmen fällt seit einigen Monaten sehr häufig das F-Wort. 20 Millionen tun es hierzulande, wann bist Du (als Unternehmen) bei Facebook dabei? Vor lauter Facebook- und Twitter-Euphorie wird dabei häufig das Potential eines Corporate Blogs übersehen. Aufgrund ihrer Limitierung, was die Zeichenzahl angeht, zeigen die populären Social Media Instrumente den Unternehmen Grenzen auf. Auf 140 Zeichen ist gerade einmal Platz für die Überschrift und eine URL, hingegen bietet Facebook auf der Pinwand ebenfalls nur wenig  Raum. Das reicht für einen klassischen Teaser mit einem Link. Wer 10.000 Follower und 20.000 Fans auf Facebook hat, kann als Firma dieses Potential nutzen oder es brachliegen lassen. Wohin führen diese Links den Leser hin? Oftmals auf fremde Inhalte (News, Blogartikel etc.), aber eben auch auf Pressemitteilungen und den  News oder gar werblichen Inhalten der eigenen Website. Das wirkt in der Social Media Welt eher unpassend und ist oftmals zu sehr im klassischen Marketing-Speech verfasst. Außerdem lassen sich die Inhalte einer Website nicht direkt kommentieren.

Wer in Social Media sehr aktiv ist, wünscht sich oft eine strategische Klammer, die alle Aktivitäten zusammenführt. Das kann ein Social Media Newsroom bieten, noch besser dafür geeignet und einfacher aufzusetzen, ist jedoch ein Corporate Blog. Denn in diesem haben Unternehmen die Möglichkeit, sich auf vielfältige Art und Weise zu präsentieren. Gleichzeitig ermöglichen Sie den direkten Kundendialog und können auf diese Weise auf der eigenen Plattform unmittelbar auf die Bedürfnisse ihrer Kunden reagieren.

Ein Blog hat nach wie vor für Unternehmen große Bedeutung. Denn wer auf ein Corporate Blog setzt, profitiert davon auf vielfältige Weise:

  1. Content ist King, was die Suchmaschinenoptimierung angeht. Je aktueller und relevanter die Inhalte sind, desto sichtbarer werden sie im Googleversum.
  2. Themenwelten können Sie am besten in einem Blog ordnen und auf vielfältige Weise vorstellen.
  3. Den Kundendialog können Sie im Blog direkt pflegen und umfangreichere Antworten geben.
  4. Auf Ihrer eigenen Plattform sind Sie der Hausherr und können das Layout, die Inhalte bestimmen und ggf. auch Antworten in den Kommentaren löschen, wenn dieses nicht mit ihren Vorstellungen übereinstimmt. Allerdings sollten Sie sich der Kritik stellen und Ihre Eingriffe dann immer erklären können.
  5. Gute Blog-Inhalte verbreiten sich via Facebook und Twitter viral.
  6. Ein Corporate Blog zahlt auf die Online-Reputation ein.
  7. Bloggende Unternehmen können sich ganzheitlicher präsentieren, auch einen Blick hinter die Kulissen gewähren.
  8. In einer Krisensituation kann ein Unternehmen sehr schnell via Blogbeitrag reagieren und seine Sicht der Dinge erläutern.
  9. Als Corporate Publisher erhält es eine Möglichkeit, selbst sich thematisch in Szene zu setzen und mit den eigenen Inhalten sichtbarer zu werden. Den Umweg über die Medien muss das Unternehmen nicht mehr nehmen.
  10. Dennoch finden auch Journalisten und Blogger den Content eines Businessblogs und können ihn direkt verwerten.
  11. Die Blog-Informationen erleichtern das Agenda Setting. Leser können darüber schneller erkennen, wofür ein Unternehmen steht und treffen bei ihren Online-Suchen auf Corporate Blogging Inhalte.

Ich wünsche den Corporate Bloggern der Scout24 Gruppe viel Erfolg und ein glückliches Händchen bei der Auswahl der Themen.

Klaus Eck

(Disclaimer: Der PR-Blogger und Gründer der Unternehmensberatung Eck Kommunikation unterstützt Scout24 seit einigen Jahren in Sachen Social Media.)