Interview mit Dr. Tilman Buchner zur Bedeutung von mobilen Applikationen in der Scout24-Gruppe

Mit der zunehmenden Digitalisierung des Alltags und einem Konsumenten, der als User inzwischen „always on“ ist, sind Apps zu einem wichtigen Bestandteil in der „mobilen Unternehmensstrategie“ geworden. Das Mobile Web boomt. Welche Ziele die Scout24-Gruppe mit ihren Apps verfolgt und welcher Trend sich im mobilen Markt durchsetzen wird, verrät Dr. Tilman Buchner, Leiter Corporate Center Innovation & Product Scout24:

Warum gibt es Apps bei Scout24?

Buchner: Unsere Kunden nutzen vermehrt mobile Endgeräte, um Inhalte im Internet zu konsumieren. Diesen Trend müssen wir aufgreifen und entsprechend reagieren. In der Konsequenz bedeutet das, dass wir Apps entwickeln.

Was ist das Ziel?

Buchner: Das Ziel lautet auch im Mobile Web die Nummer 1 in unseren Märkten zu werden oder zu bleiben. Mit ImmobilienScout24 und AutoScout24 haben wir das bereits erreicht. Die AutoScout24 iPhone App ist die erfolgreichste App im Deutsche Telekom Konzern. Im mobilen Bereich haben wir unsere Wettbewerber bereits eingeholt. Außerdem versuchen wir durch Kooperationen unsere Reichweite kontinuierlich zu vergrößern.

Wie monetarisieren sich die Apps von Scout24?

Buchner: Die Apps generieren zusätzliche Reichweite, die analog zum PC-Web monetär bewertet werden kann.  Darüber hinaus schaffen wir neues Potenzial für Werbekunden und erwirtschaften Erträge durch Kooperationen wie z.B. im Falle AutoScout24 mit DirectLine (Direktversicherungen) und dem ADAC.

 

Wie wichtig ist Mobile Advertising für Scout24?

Buchner: Zunehmend relevanter, da mehr und mehr Nutzer mobil ins Netz gehen. Mobile Advertising bietet die Möglichkeit, den Nutzer genau im relevanten Moment anzusprechen, dann, wenn das Informationsbedürfnis entsteht. Unser Ziel ist es mit Innovationen den Markt für hochpreisige  Werbemittel  abzuschöpfen.

Programmiert Scout24 seine Applikationen selbst oder werden sie extern entwickelt?

Buchner: Sowohl als auch: Scout24 stellt In-House Entwickler-Kapazitäten für die Plattformen iOS und Android zur Verfügung. Darüber hinaus haben wir ein Netzwerk von Agenturen, die uns bei der Erstellung von Applikationen für weitere Plattformen unterstützen. Um redundante Entwicklungen bei der Erstellung unserer Apps zu vermeiden, haben wir zudem eine mobile IT-Architektur entwickelt.

Wie werden die Scout24-Apps zukünftig weiterentwickelt?

Buchner: ImmobilienScout24 und AutoScout24 streben die Entwicklung von Pad-Lösungen sowie die Expansion auf weitere Plattformen an. Parallel arbeiten wir am Ausbau des Funktionsspektrums, sprich das mobile Inserieren von Immobilien oder Fahrzeugen liegt nicht mehr in der Zukunft, sondern wird bald schon Realität sein.

Wie verändert HTML5 die App-Landschaft?

Buchner: HTML5 wird meines Erachtens zunächst für das Verlagswesen eine Rolle spielen, da es die Möglichkeit bietet, einen Vertriebsweg um den  klassischen App-Store herum aufzubauen. Die Financial Times Deutschland macht es gerade vor, indem sie ihre App aus dem iTunes-Store entfernt hat und eine HTML5 Lösung anbietet. Komplexe Anwendungen (wie z.B. Spiele) werden auf absehbare Zeit immer noch nativ programmiert werden. Das heißt, sie sind nur für einen bestimmten Endgeräte-Typ und dessen Betriebssystem lauffähig.

Den Einzug von HTML5 wird der Nutzer gar nicht merken, da das Prinzip der App weiterhin Bestand haben wird. Einzig die Technologie, in der Apps erstellt werden, wird sich im Laufe der Zeit ändern.

Was ist für Dich ein Mobile-Trend, der sich durchsetzen wird?

Buchner: Nicht „mobile first“ sondern „mobile only“ – für viele Menschen wird das mobile Endgerät, sei es das Smartphone oder der Tablet-PC, zukünftig der einzige Zugang zum Internet sein. Das bedeutet, wir müssen den gesamten Lebenszyklus unserer Produkte mobil abbilden können. Der Anwender wird sich künftig mobil registrieren, seine Aufträge verwalten und auch inserieren.

Welches ist Deine Lieblings-App, abgesehen vom Scout24-Angebot?

Buchner: Ich habe viele, aber am häufigsten nutze ich Shazam und Call-a-Bike.

 

Vielen Dank für das Gespräch!