Das Magazin von AutoScout24 versorgt seit mehr als zehn Jahren Millionen von Usern mit Infos aus erster Hand. Chefredakteur Thomas Weiss sagt, wie das geht. Und warum.

Unser erster Testwagen war ein Mercedes A140 und entsprach überhaupt nicht unseren Erwartungen – wir hatten eine E-Klasse angefragt. Aber in Stuttgart traute man uns offensichtlich noch nicht über den Weg: Diese Typen von einer Online-Gebrauchtwagenbörse wollten also einen Testwagen? Einen Neuwagen?

Die sollen erst einmal zeigen, dass sie fahren können.

Und schreiben.

Das war vor zehn Jahren und der A140 L kam mit AMG-Paket, mit Spoilern, Breitreifen und dem ganzen Tamtam, den man eher bei einem Opel als einem Rentner-Benz erwartete. Der Basis-Listenpreis lag bei etwa 20.000 D-Mark, der Testwagenpreis bei über 42.000 – dass die Optionen teurer sein könnten als der Rest des Autos würde nicht die erste Überraschung in diesem für uns neuen Umfeld bleiben. Doch wir nahmen die Herausforderung an, einen interessanten Text über ein langweiliges Auto zu produzieren – immerhin war „der Daimler“ zu überzeugen, dass wir bei AutoScout24 auch Autojournalismus können.

Daimler bewies damals überraschenden Weitblick: Ein Hersteller, der wie wohl kein anderer als konservativ angesehen wurde, wagte das Experiment Online-Auto-Journalismus und setzte auf einen Außenseiter. Audi und BMW fiel es damals wesentlich schwerer, „Online“ als relevantes Medium zu akzeptieren.

Doch es dauerte nicht lange, bis wir die ersten Einladungen zu sogenannten IPVs bekamen, den Internationalen Presse-Veranstaltungen. Der erste Termin für uns fand auf Mallorca statt, das Mercedes C-Klasse Cabrio wurde vorgestellt. Mitsubishi lud zum Facelift des Pajero. Opel ging mit dem Insignia neue Wege und war daher auch offen für unsere „frische und unkonventionelle Schreibe“. Volvo stellte als Testwagen einen V70 XC Ocean-Race Turbo und Land Rover einen Discovery II. Audi erhörte schließlich unsere Bitte nach einem A4 Cabrio.

Jeep bekam einen sehr schmutzigen Cherokee zurück.

Volkswagen konnte mit unserer unkonventionellen Schreibe nicht so viel anfangen: Ein recht kritischer Test des VW Touareg V10 TDI („erfüllt eigentlich keines seiner Versprechen“) führte zum ersten und einzigen korrektiv gemeinten Feedback-Telefonat, das ich in meiner Eigenschaft als Chefredakteur mit einer Pressestelle führen musste. Möglicherweise lag das auch an der gebrochenen Vorderachswelle, die dem Motordrehmoment nicht standhielt. Ich war damals kurz davor, auch den Zehnzylinder-Dieselmotor zu verreißen, der (meiner Ansicht nach fälschlicherweise) gerade den „Engine of the Year“ Award gewann, jedoch wegen der Partikelemissionen nur mit Ausnahmeregelung überhaupt eine Straßenzulassung bekam. Doch Kollegen warnten mich, Piëch stünde nicht zu Unrecht im Ruf, Kritik durchaus persönlich zu nehmen.

Seinerzeit machte die „auto, motor und sport“ ihre ersten Online-Gehversuche in einem Joint-Venture mit t-online und von Beginn an verschrieben wir uns einem anderen Ansatz, als es die etablierten Auto-Medien taten: Wir waren keine Ingenieure und wir sahen es nicht als unsere Aufgabe an, die Herstellerangaben zu Kofferraumvolumen und Höchstgeschwindigkeit zu überprüfen und auf seitenlangen Tabellen zu dokumentieren.

Wir wollten für unsere Leser einordnen.

Unsere Zielgruppe waren nicht die Auto-Verrückten, sondern die ganz normalen Autokäufer. User, die sich womöglich für einen Golf interessierten aber erfahren wollten, ob nicht ein Astra das passendere Fahrzeug für sie wäre.

Aber wir mussten schnell lernen, um von Herstellern und Lesern als kompetent wahrgenommen zu werden. Fahrertrainings halfen hier genauso wie die ersten Vergleichstests mit dem gesamten Team und umfangreiche Test-Sessions auf abgesperrtem Gelände: In Langenaltheim verbrachten wir Tage, um Offroader wie Landcruiser, Discovery und Cherokee auf Herz und Nieren prüfen zu können, in Italien mieteten wir eine Rennstrecke um Mercedes AMG, Lamborghini, BMW und Audi zu testen und auf dem ehemaligen Flughafen Pferdsfeld zogen wir den ersten Kaufberater für die komplette Opel Astra Baureihe durch.

Seitdem führten uns die Tests und Erstkontakte durch ganz Europa, Schweden und Finnland werden im Winter bevorzugt; Island ist auch in Ordnung. Für Cabrio-Tests stehen neben Toskana und Côte d’Azur auch mal  Kapstadt oder Los Angeles auf dem Programm oder Dubai, Shanghai, Mexico  und Marokko. Und für Z-06, SLS, 911, Supercoppa, Veyron und Apollo auch Laguna Secca, Le Castellet, Ascari  und Nordschleife.

YouTube Preview Image

Schnell begannen wir, nicht nur auf hohem Niveau zu fahren und Texte auf diesem Niveau zu schreiben, sondern auch entsprechende Fotos zu produzieren. Die ersten wurden noch vom Negativfilm digitalisiert (bei DM gab es die damals auf CD), unsere erste Digicam hatte eine Auflösung von 1024×768 Pixeln, Megapixel war ein Fremdwort. Nach Fuji Finepix S7000, Sony DSC 828 und professionellen Schulungen stiegen wir schließlich auf ebensolches Equipment in Form von Spiegelreflexkameras mit wirklich guten Objektiven um.

Seither wissen wir, wie man dramatische Fahraufnahmen auch bei 40km/h realisiert.

In der Rückschau gibt es Dinge, die ein junges Online-Unternehmen von etablierten Unternehmen lernen kann. Zum Beispiel Kontinuität.

Verlässlichkeit über die Jahre schafft beim Kunden Vertrauen und erhöht den Wert der Marke. Wenn das Produkt das Markenversprechen wieder und immer wieder einlösen kann, wird es eben nicht beliebig, sondern wertvoll.

Auch in der redaktionellen Arbeit haben wir deshalb konsequent auf Qualität und Relevanz gesetzt. Professionell zu arbeiten und dabei unverwechselbar zu schreiben war über die Jahre unser Erfolgsrezept. Der Nutzen für den Leser stand und steht immer im Vordergrund, weshalb wir eben keine Klickstrecken gebaut oder Interstitials in das Magazin gezwängt haben, um den ROI kurzfristig zu erhöhen.

Im Jahr 2012 ordern wir immer noch Testwagen. Viele entsprechen nicht den üblichen Erwartungen: Sie fahren geräuschlos und ihre Batterien wiegen mehr als ihre Motoren. Manche kann man nicht kaufen, sondern nur mieten. Sie sehen aus wie Golf-Caddies oder brauchen Zig-Meter lange Ladekabel. Und obwohl wir selbstverständlich auch weiter den automobilen Wahnsinn auf der Rennstrecke oder im Matsch austesten werden, Kompakt- und Kleinwagen testen und Kaufberater zu den wichtigsten Volumenmodellen produzieren, bereiten wir uns schonmal auf Elektroautos und neue Mobilitätskonzepte vor.

—————————————————————-

Warum das AutoScout24 Magazin kein Blog ist.

Blogs kann man verschieden definieren. Technisch sind sie zunächst einfache Content-Management Systeme (CMS), die es jedermann ermöglichen unkompliziert Inhalte zu veröffentlichen. Sie sind vor allem stark in der Vernetzung mit anderen Blogs, über Trackbacks und Pings und sind Teil des Social-Webs. Inhaltlich unterscheiden sich Blogs als persönliche Tagebücher (Web-Logs) von anderen Web-Publikationen durch den persönlicheren Touch, das tun auch Journalisten, Experten oder eben auch Unternehmen: Corporate-Blogs geben dem Unternehmen ein Gesicht und ermöglichen dem Kunden einen persönlicheren Zugang und einen Blick hinter die Kulissen.

Inhaltlich erlauben Blogs eine Gegenöffentlichkeit, prominenteste Beispiele sind BildBlog, carta.info oder auch Spreeblick – um nur wenige zu nennen. Sie zeigen, was wirklich gute, eigenständige Blogs ausmacht: Starke Haltung und journalistische Prinzipien.

Da wir bei AutoScout24 bereits seit mehr als zehn Jahren journalistisch unterwegs sind, stellte sich für uns zunächst nicht die Frage auch ein eignes Blog zu führen. Denn die Aufgabe des Magazins ist klassischer Motor-Journalismus für die Zielgruppe der Autokäufer. Mit Plattformen wie Facebook und Google Plus entsteht auch Konkurrenz zum klassischen Blog, man kann die Inhalte näher an der Zielgruppe platzieren und zudem zusätzliche Reichweite schaffen.

Allerdings sehen wir uns aktuell wieder an, wie ein AutoScout24 Blog unser Magazin, die Facebook-Seite und unsere Google plus pages ergänzen kann. Inhaltlich sind wir uns schon weitgehend einig

 —————————————————————-

AutoScout24 Magazin:

Wie es ist, für einen Auto-Test um die halbe Welt zu fliegen 

Wie es ist, von einem zum anderen Termin zu hetzen